Namensartikel Julia Klöckner: Klein und doch systemrelevant - was der Biene schadet, schadet uns allen

Am 20. Mai feiern wir den ersten Weltbienentag. Noch so ein Welttag, werden viele sagen. Ja, aber ein besonders wichtiger. Denn Bienen sind systemrelevant –  für die Landwirtschaft ebenso wie für unser gesamtes Ökosystem.Rund 80 % der heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Honigbienen als Bestäuber angewiesen. Der volkswirtschaftliche Nutzen der Bestäubungsleistung liegt bei etwa zwei Milliarden Euro jährlich in Deutschland. Klein - aber große Wirkung! Bienen sind tatsächlich eine der drei wichtigsten Nutztiere neben Rind und Schwein. Und darum müssen wir jetzt gemeinsam handeln, um unsere Bienen zu schützen.

 

Erste Schritte sind getan. Mein Ministerium investiert in Forschung, zum Beispiel an unserem Institut für Bienenschutz. Wir haben ein wissenschaftliches Monitoring zur Biodiversität aufgebaut. Und wir haben mit dafür gesorgt, dass die neonikotinoiden Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln, die  der Biene schaden, in Zukunft nicht mehr im Freiland eingesetzt werden dürfen. Denn was Bienen schadet, schadet uns allen.. Das EU-weite Verbot ist eine gute Entscheidung für die Bienen. Meine Zustimmung zu diesem Verbot habe ich getroffen auf Grundlage von Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen. Neonicotenoide können sich im Boden anreichern, selbst wenn die Zuckerrübe mit der Biene nicht in Kontakt kommt, eine andere Folgefrucht oder blühende Pflanzen dazwischen können es trotzdem übertragen. Bienen, die mit Neonics, so die Abkürzung des komplizierten Wortes, in Berührung kommen, verlieren die Orientierung, finden den Weg in den Stock nicht mehr zurück und verenden. Ich weiß, dass einige Bauern die Umsetzung des Verbotes hart trifft. Wir forschen deshalb an alternativen, bienenunschädlichen Mitteln.  Und die Bienen stehen hier stellvertretend für den Zielkonflikt, den wir in ganz vielen Bereichen der Landwirtschaft haben. Wir nehmen als Verbraucher gute Ernten heute als selbstverständlich hin. Aber die Ernten sind auch deshalb sicher, weil wir Pflanzen schützen. Dazu brauchen unsere Bauern auch weiterhin Pflanzenschutzmittel. Natürlich sorgen sich manche Landwirte, dass ein Verbot zum anderen kommt – mit der Folge, dass Schädlinge die Ernte zerstören. Deshalb lassen wir die Landwirte nicht alleine, wir unterstützen sie.

Was mir wichtig ist? Wir kommen hier nur gemeinsam weiter, nicht mit Stimmungen oder ideologischen Grabenkämpfen, sondern  auf der Basis von Wissenschaft.  Dann wird es uns gelingen, Landwirtschaft und Umwelt nicht als Gegensatz zu sehen, sondern als Einheit. Dazu müssen wir beide Seiten ernst nehmen und unsere Landwirte dabei unterstützen, Alternativen zu finden. Dabei kann auch die Digitalisierung in der Landwirtschaft helfen. Die so genannte Präzisionslandwirtschaft hilft, Pflanzenschutzmittel der Menge nach zu reduzieren und passgenau da aufzubringen, wo es gebraucht wird. Also keine Gießkanne.  Die Landwirte sind Verbündete der Biene - mit unserer gemeinsamen Aktion für mehr Blühstreifen in den Feldern schaffen wir gute Lebens- und Nahrungsräume für die kleinen Nutztiere.

Aber nicht nur die Landwirtschaft kann etwas für die Biene tun - auch Sie! In der Stadt und im Dorf. Sie können für Bienen-Buffets sorgen.  Bienenfreundliche Pflanzen anbauen, auf dem Balkon, im Garten, auf öffentlichen Flächen. Was genau, dabei hilft Ihnen unsere Bienen-App: Sie gibt Auskunft darüber, welche Pflanzen bienenfreundlich sind und an welchen Standorten sie am besten gedeihen. Die Grünflächen im Gartenhof meines Bundesministeriums haben wir bereits bienenfreundlich gestaltet und zwei Bienenkörbe aufgestellt. Und ich habe alle anderen Ministerien, die nachgeordneten Behörden und auch unsere Bundesländer dazu aufgerufen, diesem Beispiel zu folgen. Mit meinem slowenischen Kollegen habe ich ein Bienen-Abkommen unterzeichnet, wir wollen gemeinsam mehr für den Erhalt und den Schutz der Biene forschen. Denn geht es den kleinen Nutztieren gut, geht es unserer Umwelt und uns allen gut. Jeder kann etwas für unsere Bienen und damit für sich selbst tun. Deshalb: Machen Sie mit!